Zement-Kalkputz oder Kalkputz – die richtige Wahl fürs Zuhause

Januar 8, 2026
Verfasst von Redaktion gutwohnen24.de

 

Die Wahl des passenden Innenputzes gehört zu den entscheidenden Schritten bei Neubau oder Sanierung. Sie beeinflusst nicht nur die Optik, sondern vor allem die Langlebigkeit der Wände und das Raumklima. Stehen Sie vor der Frage, ob Sie auf die sprichwörtliche Robustheit von Zement-Kalkputz setzen oder lieber die wohngesunden Eigenschaften und die hohe Dampfdurchlässigkeit von klassischem Kalkputz nutzen? Eine pauschale Antwort gibt es nicht – im Bad unter Fliesen gelten andere Anforderungen als bei den historischen Wänden eines Altbaus.

Inhaltsverzeichnis

Auf Basis der langjährigen Praxis unserer Redaktion von Dobrze mieszkać haben wir diesen ausführlichen Leitfaden erstellt, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können. Wir vergleichen die wichtigsten Kriterien – Einsatzbereich (Fliesen, Nasszonen), Gebäudetyp (Neubau vs. Altbau) sowie entscheidende technische Parameter wie Dampfdurchlässigkeit des Putzes, Festigkeit und Putzhaftung. Nach der Lektüre wissen Sie genau, welcher Innenputz in Ihrem Haus am sinnvollsten ist.

Zement-Kalkputz, Kalkputz und Gipsputz: grundlegende Eigenschaften und Anwendungen

Bevor Sie festlegen, womit Ihre Wände verputzt werden, lohnt sich ein Blick auf die zentralen Unterschiede zwischen den gängigen Innenputzen. Jeder Putztyp bringt ein eigenes Profil mit und passt daher zu anderen Aufgaben – vom feuchten Keller bis zum repräsentativen Wohnraum.

Merkmale von Zement-Kalkputz

Zement-Kalkputz besteht aus drei Hauptbestandteilen: Zement, Kalk und Sand – und jeder erfüllt eine klare Rolle. Portlandzement liefert die hohe Druck- und Abriebfestigkeit sowie eine gute Feuchtebeständigkeit, gelöschter Kalk verbessert die Verarbeitbarkeit und sorgt für mehr Elastizität, während Sand als Zuschlagstoff das Gefüge stabilisiert. Studie zur Dauerhaftigkeit und zu Eigenschaften von Kalkzementputz enthält detaillierte Daten zu mechanischen Kennwerten und zur Dauerhaftigkeit von Zement-Kalkputzen.

Sein größter Pluspunkt ist die Belastbarkeit: Der Putz ist hart, stoßfest und widersteht Abrieb – ideal für stark beanspruchte Bereiche. Außerdem verträgt er dauerhaft erhöhte Feuchtigkeit deutlich besser als viele Alternativen. Auf der Minusseite stehen der höhere Arbeitsaufwand und die Tatsache, dass für eine spiegelglatte Oberfläche häufig zusätzlich gespachtelt werden muss. Auch die Trocknungs- und Durchhärtungszeit ist spürbar länger. Aufgrund dieser Eigenschaften gilt Zement-Kalkputz (und in vielen Anwendungen auch Zementputz) als Standard in Bädern, Waschräumen, Garagen und Kellern – sowie als zuverlässiger Putz unter Keramikfliesen oder Naturstein.

Vor- und Nachteile von Kalkputz

Kalkputz, der überwiegend aus Kalk und Sand besteht, hat eine lange Baugeschichte – und erlebt heute aus guten Gründen ein Comeback. Sein entscheidender Vorteil ist die sehr hohe Dampfdurchlässigkeit: Wände können „atmen“. Wasserdampf aus dem Innenraum kann durch den Putz und das Mauerwerk nach außen diffundieren, wodurch Kondensat und Durchfeuchtung der Wandkonstruktion seltener auftreten. Leitfaden zu Kalk- und Kalkzementputzen erläutert Eigenschaften und Nutzen von Kalk- und Kalkzementputzen ausführlich.

Zusätzlich wirkt Kalk durch seinen hohen, alkalischen pH-Wert von Natur aus hemmend auf Schimmel und Pilze – gewissermaßen ein „natürlicher Fungizid-Effekt“. Im Vergleich zu rein zementären Putzen ist er zudem flexibler und kann Bewegungen im Baukörper besser aufnehmen, wodurch feine Risse weniger wahrscheinlich werden. Nachteilig ist die geringere Widerstandsfähigkeit gegen harte mechanische Beanspruchung. Deshalb ist Kalkputz besonders empfehlenswert bei der Sanierung eines alten Hauses und bei Denkmalobjekten, wo Materialverträglichkeit und Diffusion Priorität haben. In Neubauten eignet er sich ebenso für Schlaf- und Wohnräume – vor allem, wenn ein gesundes Raumklima im Vordergrund steht.

Gipsputz als beliebte Alternative

Gipsputz ist in trockenen Innenräumen sehr verbreitet, weil er sich schnell verarbeiten lässt und eine sehr glatte Oberfläche ermöglicht – oft ohne zusätzliches Feinspachteln. Er ist angenehm zu schleifen und beschleunigt den Baufortschritt.

Die Grenze liegt bei Feuchtigkeit: Gips ist hygroskopisch, nimmt also Wasser aus der Umgebung auf. Wird er dauerhaft feucht, verliert er an Festigkeit und kann in ungünstigen Fällen Korrosion an metallischen Bauteilen unter der Oberfläche begünstigen. Für echte Nasszonen – etwa in der Dusche – ist er daher ungeeignet. In trockeneren Badbereichen kann Gipsputz nur dann eine Option sein, wenn eine vollständig dichte Abdichtung (z. B. Verbundabdichtung) ausgeführt wird.

Eigenschaft Zement-Kalkputz Kalkputz Gipsputz
Mechanische Festigkeit Sehr hoch Mittel Niedrig
Feuchtebeständigkeit Sehr hoch Gut Niedrig
Dampfdurchlässigkeit Mittel (μ = 15–35) Sehr hoch (μ = 6–12) Hoch (μ ≈ 10)
Typische Anwendung Bäder, Garagen, unter Fliesen Altbauten, Schlafzimmer, Wohnräume Wohnzimmer, Schlafzimmer, Flure
Trocknungszeit Lang (ca. 28 Tage) Mittel Kurz (ca. 14 Tage)
Biozide Wirkung Begrenzt Hoch (natürlich) Keine

Welcher Putz unter Keramikfliesen: Technik und bewährte Praxis

Der richtige Putz unter Keramikfliesen ist die Basis für eine langlebige Fliesenfläche. Entscheidend sind Tragfähigkeit und Formstabilität des Untergrunds – er muss Lasten aufnehmen und mit Feuchte umgehen können.

Warum Zement-Kalkputz der Standard unter Fliesen ist

Zement-Kalkputz gilt aus drei Gründen als besonders geeignet als Putz unter Keramikfliesen. Erstens sorgt die hohe mechanische Festigkeit dafür, dass auch schwere, großformatige Feinsteinzeugfliesen sicher getragen werden. Zweitens bietet die von Natur aus raue, porige Oberfläche eine sehr gute mechanische Verzahnung mit zementären Fliesenklebern – das System arbeitet dann wie eine nahezu monolithische Einheit. Drittens ist die gute Feuchtebeständigkeit im Bad und in der Küche zentral: Sie reduziert das Risiko, dass der Untergrund durch eindringendes Wasser (z. B. über Fugen) geschwächt wird und Fliesen sich lösen.

Schritt für Schritt: Wie viele Putzlagen unter Fliesen – und wie werden sie aufgetragen?

In der Praxis wird Zement-Kalkputz unter Fliesen meist zweilagig ausgeführt. Ziel ist nicht nur das Egalisieren, sondern vor allem ein optimaler Haftverbund für den Kleber. Wichtig: Zeit ist hier ein Qualitätsfaktor – Hektik rächt sich später.

  1. Schicht 1: Spritzbewurf (Vorspritz). Eine erste, dünne Lage (ca. 5
    mm) mit eher flüssiger Konsistenz wird auf das rohe Mauerwerk aufgeworfen. Sie dient nicht dem Ausgleich, sondern erzeugt eine griffige Haftbrücke für die nächste Lage und verbessert die Putzhaftung am Untergrund.
  2. Schicht 2: Grundputz (Aufwurf). Nach dem Ansteifen des Vorspritzes folgt die eigentliche Putzlage mit etwa 15–20
    mm. Sie stellt die Ebene her und gleicht Unebenheiten aus. Diese Fläche wird „rau“ abgerieben – eine glatte, polierte Oberfläche ist hier nicht das Ziel, weil eine griffige Struktur die Haftung des Fliesenklebers verbessert.
  3. Optionale Schicht 3: Feinputz/Spachtel. Für Fliesen ist diese Lage meist unnötig und kann sogar nachteilig sein: Zu glatte Flächen reduzieren die mechanische Verzahnung. Unter keramischen Belägen wird daher üblicherweise nur abgerieben, nicht gespachtelt.

Ebenso entscheidend ist die richtige Trocknungszeit. Mit dem Verlegen der Fliesen sollten Sie mindestens 2–4
Wochen nach dem Verputzen warten (Faustregel: ca. 1
Woche pro 1
cm Putzdicke), damit der Putz vollständig abbinden und die Baufeuchte weitgehend abgeben kann.

Kann man Fliesen auf Gipsputz verlegen?

Technisch ist das Verlegen von Fliesen auf Gipsputz möglich, jedoch risikobehaftet und nur unter strengen Voraussetzungen sinnvoll. Gipsputz ist weniger tragfähig als Zementputz oder Zement-Kalkputz und zudem stark saugend. Wenn er dem Kleber zu schnell Wasser entzieht, kann die Kleberhydratation gestört werden. Später kann Umgebungsfeuchte die Konstruktion zusätzlich belasten – im ungünstigen Fall löst sich die Fliesenfläche.

Wenn Sie sich dennoch dafür entscheiden (z. B. in einem wirklich trockenen Küchenbereich), sind drei Punkte Pflicht: Der Gipsputz muss komplett trocken sein, er muss mit einem geeigneten Sperr-/Tiefgrund so vorbereitet werden, dass die Saugfähigkeit reduziert wird, und in feuchtegefährdeten Bereichen ist eine flexible Abdichtung („Flüssigfolie“) erforderlich. Trotz dieser Maßnahmen bleibt es meist weniger robust als die Standardlösung mit Zement-Kalkputz.

Der ideale Putz fürs Bad und Nassbereiche

Das Bad zählt zu den anspruchsvollsten Räumen: Wände sind regelmäßig Spritzwasser, Dampf und hoher Luftfeuchte ausgesetzt. Der passende Putz entscheidet hier maßgeblich darüber, ob es langfristig schimmelfrei und schadensfrei bleibt.

Anforderungen an Putze in Räumen mit hoher Luftfeuchte

Ein Putz im Bad sollte drei Kernanforderungen erfüllen. Erstens: hohe Beständigkeit gegen Wasser und Wasserdampf, damit er bei wiederkehrender Feuchte nicht an Festigkeit verliert. Zweitens: Widerstand gegen Mikroorganismen wie Schimmel und Pilze, die in warm-feuchter Umgebung ideale Bedingungen finden. Drittens: Maßhaltigkeit – der Putz sollte bei wechselnder Feuchte weder übermäßig quellen noch stark schwinden.

Wasserbeständige Putze: Überblick über Lösungen

Es gibt mehrere Putzsysteme, die sich für erhöhte Feuchtebelastung bewährt haben.

  • Zement-Kalkputz: Die naheliegende und in der Praxis oft sicherste Wahl für Nassbereiche. Geringe Wasseraufnahme und hohe Festigkeit machen ihn zu einem stabilen Untergrund – sowohl unter Fliesen als auch unter geeigneten Badfarben. Forschung zur Dampfdurchlässigkeit von Putzen zeigt, dass solche Eigenschaften für feuchtebelastete Bereiche besonders relevant sind.
  • Sanierputze: Spezielle, werkseitig abgestimmte Mischungen für bereits feuchte- und salzbelastetes Mauerwerk. Sie sind sehr porös und gleichzeitig dampfdiffusionsoffen, sodass Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk ausdampfen kann und Salze im Putzgefüge auskristallisieren, statt die Oberfläche zu zerstören.
  • Tadelakt: Ein traditioneller marokkanischer Kalkputz, der durch fachgerechtes Verdichten und Polieren wasserabweisend wird und eine marmorähnlich glatte Oberfläche erzeugt. Er ist eine hochwertige, fugenlose Alternative zu Keramikfliesen – etwa in Duschen, an Waschbecken oder sogar an Badewannen.

Die Rolle der Lüftung beim Schutz von Putz und Wänden

Selbst der beste wasserbeständige Putz (umgangssprachlich oft „wasserfester Putz“) kann seine Vorteile nicht ausspielen, wenn die Lüftung im Bad nicht funktioniert. Kontinuierlicher Luftaustausch ist entscheidend, um Wasserdampf abzuführen und die Luftfeuchte auf einem sicheren Niveau zu halten. Ohne funktionierende Schwerkraft- oder mechanische Lüftung kondensiert Feuchtigkeit an kalten Wandflächen – Schimmel kann dann unabhängig vom Putzsystem entstehen. Regelmäßiges Lüften und freie Lüftungskanäle gehören daher zu den wirksamsten Maßnahmen zum Wandschutz.

Sanierung eines alten Hauses: Welchen Putz wählen, ohne dem Mauerwerk zu schaden?

Die Sanierung eines Altbaus erfordert Know-how und Respekt vor der historischen Bauweise. Dichte, moderne Materialien können im alten Mauerwerk mehr Probleme schaffen als lösen, weil sie Feuchtigkeit einschließen und so Schäden beschleunigen. Wie Beiträge zur Altbausanierung – etwa Restaurierung historischen Putzes mit kalkbasiertem Putz – zeigen, ist Materialkompatibilität ein Schlüsselfaktor für die Lebensdauer historischer Konstruktionen.

Besonderheiten alter Wände: Warum „Atmungsaktivität“ entscheidend ist

Viele Gebäude, die vor der Mitte des 20.
Jahrhunderts errichtet wurden, verfügen über keine wirksame horizontale Abdichtung im Fundamentbereich. Dadurch kann Bodenfeuchte kapillar im Mauerwerk aufsteigen. Traditionell wurde dieses Risiko durch sehr diffusionsoffene Materialien abgefedert – sowohl im Mauerwerk (z. B. Ziegel auf Kalkmörtel) als auch im Putz. Das System ermöglichte, dass Feuchtigkeit über die Wandfläche wieder verdunsten konnte. Wird auf solches Mauerwerk ein dichter Zementputz aufgebracht, wirkt das wie eine Folie: Die Feuchte bleibt im Inneren, kann im Winter gefrieren und das Mauerwerk sprengen. Typische Folgen sind Abplatzungen, Salzausblühungen und Schimmel im Innenraum.

Kalkputz: historisch stimmig und technisch oft die beste Wahl

Für die Sanierung alter Wände ist Kalkputz in den meisten Fällen die sicherste und sinnvollste Lösung. Seine sehr gute Dampfdurchlässigkeit unterstützt das natürliche Austrocknen des Mauerwerks. Der alkalische Charakter des Kalks erschwert Schimmelwachstum, und die höhere Elastizität hilft, kleine Bewegungen des Altbaus ohne Rissbildung zu überstehen.

Heißt das, Zement-Kalkputz sei im Altbau grundsätzlich tabu? Nicht zwingend. Er kann punktuell dort eingesetzt werden, wo zuverlässig keine kapillar aufsteigende Feuchte vorhanden ist (z. B. in oberen Geschossen oder nach nachweislich wirksamer Abdichtung). In Sockelzonen, Kellern und im Erdgeschoss bleibt jedoch Kalkputz oder ein geeigneter Sanierputz meist die deutlich bessere Wahl.

Wichtige technische Kennwerte von Putzen: Dampfdiffusion und Haftung

Wenn Sie Putze professionell vergleichen möchten, sollten Sie zwei Parameter verstehen, die das Verhalten an der Wand maßgeblich bestimmen: die Dampfdurchlässigkeit und die Haftung am Untergrund.

Was bedeutet Dampfdurchlässigkeit des Putzes – und wie interpretiert man sie?

Die Dampfdurchlässigkeit (oft als „Atmungsaktivität“ bezeichnet) beschreibt, wie gut Wasserdampf durch ein Material diffundieren kann. Bewertet wird das über den Wasserdampfdiffusionswiderstandsfaktor (μ). Er gibt an, um wie viel größer der Widerstand im Vergleich zu einer gleich dicken, ruhenden Luftschicht ist. Praktisch gilt: Je kleiner μ, desto höher die Dampfdiffusion.

  • Kalkputz: μ = 6–12 (sehr hohe Dampfdurchlässigkeit)
  • Gipsputz: μ ≈ 10 (hohe Dampfdurchlässigkeit)
  • Zement-Kalkputz: μ = 15–35 (mittlere Dampfdurchlässigkeit)

Eine hohe Dampfdurchlässigkeit des Putzes ist wichtig für ein ausgeglichenes Raumklima und kann helfen, Kondensat an Wandoberflächen zu vermeiden – ein häufiger Auslöser für Schimmel. Wissenschaftliche Veröffentlichungen, etwa bei National Institutes of Health (PMC – NIH), belegen, dass kalkbasierte Putze in Bezug auf Dampfdiffusion besonders gute Werte erreichen, was bei Instandsetzung und Sanierung von Gebäuden eine zentrale Rolle spielt.

Wovon hängt die Putzhaftung am Untergrund ab?

Der beste Putz nützt wenig, wenn er nicht dauerhaft am Untergrund haftet. Die Putzhaftung hängt von mehreren Faktoren ab – und beginnt immer mit der richtigen Untergrundvorbereitung. Der Untergrund muss tragfähig, fest, sauber und trocken sein. Lose Bestandteile, Staub, Trennmittel sowie Fett oder alte, schlecht haftende Anstriche müssen entfernt werden.

Häufig folgt eine Grundierung, um die Saugfähigkeit zu regulieren (zu saugende Untergründe entziehen dem Mörtel Wasser und schwächen die Bindung) oder um auf glatten, dichten Flächen (z. B. Beton) eine Haftbrücke zu schaffen. Bei klassischen Ziegel- oder Blockmauerwerken übernimmt diese Funktion oft der Spritzbewurf. Die Haftung wird besonders stark beeinträchtigt durch Restfeuchte im Mauerwerk, Verschmutzungen/Öle und das Verputzen auf zu glatten Flächen ohne vorherige Aufrauung.

Feuchteproblem: Wie und wann sollte man feuchte Wände trocknen?

Feuchtigkeit im Mauerwerk zählt zu den gravierendsten Bauschäden. Bevor Sie auf feuchten Wänden verputzen, müssen Sie zuerst die Ursache klären und beseitigen – und danach das Mauerwerk fachgerecht trocknen.

Problemdiagnose: Woher kommt Feuchtigkeit in Wänden?

Nach den Empfehlungen der EPA-Richtlinien zur Feuchtekontrolle in Gebäuden ist es entscheidend, die Feuchtequelle zu identifizieren und abzustellen, bevor Sanierungsmaßnahmen starten. Feuchtigkeit in Wänden hat typischerweise drei Hauptursachen:

  1. Kapillar aufsteigende Feuchte: Wasser steigt aus dem Erdreich über Fundament und Wand kapillar nach oben – häufig bei Altbauten ohne Horizontalsperre.
  2. Niederschlagsfeuchte: Entsteht durch Undichtigkeiten, z. B. ein schadhaftes Dach, defekte Regenrinnen, Risse im Mauerwerk oder mangelhafte Anschlüsse an Fenstern.
  3. Kondensationsfeuchte: Warme, feuchte Innenluft trifft auf kalte Wandflächen (Wärmebrücken) und Wasserdampf kondensiert. Oft ist unzureichende Lüftung der Auslöser.

Überblick über wirksame Methoden zur Mauertrocknung

Erst wenn die Ursache behoben ist, sollte die eigentliche Mauertrocknung beginnen. Welche Methode passt, hängt vom Durchfeuchtungsgrad und der Bauart ab.

  • Nichtinvasive Verfahren: Geeignet bei Baufeuchte oder nach Wasserschäden. Dazu zählen Kondensationstrocknung (Luftentfeuchter), Adsorptionstrocknung (bei niedrigen Temperaturen effektiv) sowie Mikrowellentrocknung (schnell, aber nur mit Spezialtechnik und Fachwissen).
  • Invasive Verfahren: Ziel ist eine dauerhafte Sperre (Horizontalsperre), die weiteres kapillares Aufsteigen verhindert. Eine verbreitete Methode ist die Kristallinjektion: Bohrlöcher werden gesetzt und mit einem Mittel gefüllt, das im Porensystem kristallisiert und Kapillaren blockiert – so entsteht eine wasserundurchlässige Barriere.

Wichtig: Trocknung ist ein Prozess, der Zeit braucht. Erst wenn das Mauerwerk nachweislich trocken ist, sollte neu verputzt werden – bei feuchtebelasteten Wänden meist mit Sanierputz oder Kalkputz.

Fazit: Wie treffen Sie die beste Entscheidung?

Ob Zement-Kalkputz oder Kalkputz „besser“ ist, hängt weniger von einem generellen Ranking ab als von der passenden Zuordnung zum Einsatzfall. Beide Systeme sind sehr gute Lösungen – sofern sie dort eingesetzt werden, wo ihre Stärken gefragt sind.

Diese Punkte helfen bei der Entscheidung:

  • Wählen Sie Zement-Kalkputz, wenn Priorität haben:
    • Maximale mechanische Belastbarkeit (Garage, Flur, Nebenräume).
    • Hohe Feuchtebeständigkeit (Putz fürs Bad, Waschküche, Keller).
    • Ein tragfähiger Putz unter Keramikfliesen oder Naturstein.
  • Wählen Sie Kalkputz, wenn im Vordergrund stehen:
    • Sanierung eines alten Hauses und die Diffusionsoffenheit historischer Wände.
    • Ein gesundes, angenehmes Raumklima in Schlaf- und Wohnräumen.
    • Natürlicher Schutz vor Schimmel durch die alkalischen Eigenschaften.

Behalten Sie im Blick: Putz ist nur ein Baustein im gesamten Wandsystem. Dauerhaftigkeit entsteht erst im Zusammenspiel mit funktionierender Abdichtung, guter Lüftung und korrekt vorbereitetem Untergrund. Wer systemisch plant und Materialien bewusst kombiniert, schafft die beste Grundlage für Komfort und Werterhalt über viele Jahre.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worin unterscheidet sich Zement-Kalkputz von Kalkputz?

Zement-Kalkputz ist durch den Zementanteil deutlich härter, tragfähiger und feuchtebeständiger – deshalb eignet er sich besonders als Putz unter Fliesen und in Bereichen wie dem Bad. Reiner Kalkputz ist flexibler und wesentlich dampfdurchlässiger („atmungsaktiver“), was bei Altbausanierung und diffusionsoffenen Wandaufbauten entscheidend ist.

Wie viele Putzlagen sind unter Keramikfliesen nötig?

Üblich sind zwei Lagen Zement-Kalkputz: zuerst ein dünner Spritzbewurf (ca. 5
mm) zur Haftverbesserung, danach der Grundputz (15–20
mm) zum Ausgleich und zur Ebenheit. Eine dritte, glättende Feinlage wird unter Fliesen meist weggelassen, weil die leicht raue Oberfläche des Grundputzes die Haftung des Klebers verbessert.

Ist Gipsputz fürs Bad geeignet?

In der Regel nicht für Bereiche mit direkter Wasserbelastung (z. B. Dusche oder Wannenbereich), weil Gipsputz bei dauerhafter Feuchte an Festigkeit verliert. In trockenen Zonen eines ausreichend großen Badezimmers kann er unter Bedingungen möglich sein – dann aber nur mit sauber ausgeführter Abdichtung, etwa als „Flüssigfolie“ im Verbundsystem.

Wie wählt man Putz für die Sanierung eines alten Hauses?

Für die Sanierung eines alten Hauses sind Kalkputz oder ein geeigneter Sanierputz meist die sicherste Wahl. Beide sind diffusionsoffen, sodass Feuchtigkeit aus dem historischen Mauerwerk besser austrocknen kann – das reduziert das Risiko weiterer Schäden durch eingeschlossene Feuchte.

Was ist Dampfdurchlässigkeit und warum ist sie wichtig?

Dampfdurchlässigkeit beschreibt, wie gut ein Baustoff Wasserdampf passieren lässt. Sie ist wichtig für ein gesundes Raumklima und für den Schutz der Wandkonstruktion: Überschüssige Feuchte kann nach außen abgeführt werden, wodurch Kondensation, Schimmelbildung und langfristige Mauerschäden deutlich seltener auftreten.

Autoritative Quellen

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